Der Versicherer Talanx wollte sein Kapitalanlagerisiko vermindern und hat ein Girokonto bei der Deutschen Bundesbank beantragt. Die Zentralbank ist nach Meinung des Hannoveraner Versicherers die einzige Bank, bei der das Kapital auf dem Konto vollständig vor Insolvenz geschützt ist. Der Einlagensicherungsfonds, der das Kapital der normalen Banken schützt ist Talanx zu unsicher. Den Einlagensicherungsfonds gibt es bereits seit 1976 und seitdem hat noch kein Einleger wegen der Insolvenz eines Mitgliedsinstituts sein Geld verloren, weil der Einlagensicherungsfonds die Einleger immer entschädigt hat. Sowohl der Bundesverband Deutscher Banken (BdB), als auch der Bundesverband Öffentlicher Banken (VÖB) verstehen die Kritik seitens der Talanx am Einlagensicherungsfonds nicht. Nach Meinung der Verbände gibt es genügend Banken in Deutschland, die dem entsprechen was das Versicherungsunternehmen vergeblich sucht.
Die Girokonten bei der Deutschen Bundesbank sind jedoch ausschließlich für Banken bestimmt. Deshalb wurde der Antrag des Versicherers abgelehnt. Nach Meinung des Versicherers wurde der Antrag allerdings nicht mit einem offiziellen Ablehnungsbescheid abgelehnt und deshalb klagt Talanx nun gegen die Zentralbank.
Während der Wirtschafts- und Finanzkrise, als die deutsche Tochter der Investmentbank Lehman-Brothers Pleite ging, musste der Einlagensicherungsfonds vom Soffin unterstützt werden, weil die Mittel des Fonds bereits ausgeschöpft waren. Das ist der Grund für die Befürchtung von Talanx, dass die Girokonten bei den normalen Banken nicht so sicher sind wie die der anderen Banken.
Die Regierung und der Bankenverband sind deshalb auch am überlegen, ob der Fonds reformbedürftig ist. Eine mögliche Maßnahme wäre die Haftungsgrenze für den einzelnen Kunden zu senken und auf private Anleger zu beschränken. Auch im internationalen Vergleich liegt die Haftungsgrenze weit niedriger als in Deutschland, deshalb sind Experten der Meinung, dass das Niveau in Deutschland angeglichen werden sollte. Wenn es dazu kommen sollte würde Talanx es schwer haben eine Bank zu finden, bei der das Kapital vollständig geschützt ist. Im Februar wird die Klage vor dem Verwaltungsgericht in Frankfurt verhandelt.
